Datenschutz und Digitale Kompetenz für Journalist:innen

Digitale Geräte sind aus dem journalistischen Alltag nicht mehr wegzudenken. Wir verwenden sie für Recherche, für die Kommunikation mit Quellen und für die Organisation der eigenen Arbeit. Gleichzeitig hinterlässt jede Nutzung von Computer und Smartphone Spuren: Daten über uns selbst, unser Verhalten und unseren Standort, die bei einer Vielzahl von Unternehmen landen. Diese Unterlage erklärt in einfachen Worten, wie das technisch funktioniert und zeigt konkrete, leicht umsetzbare Werkzeuge, um selbst zu entscheiden, wie viel man von sich preisgeben möchte.

Welche Programme erfassen welche Daten?

Am Anfang steht eine einzige, sehr persönliche Frage, die niemand für Sie beantworten kann: Wer soll welche Daten von mir bekommen? Es gibt darauf keine „richtige“ oder „falsche“ Antwort. Manche Journalist:innen sind gerne öffentlich auffindbar, andere brauchen für ihre Arbeit größtmögliche Unsichtbarkeit. Diese Unterlage gibt Ihnen das Wissen, um diese Entscheidung selbst und bewusst zu treffen.

Mit einem ganz gewöhnlichen Laptop und einem Smartphone geben Sie im Alltag folgendes preis:

  • Sich selbst: Ihren Namen, Ihre Kontaktdaten, oft auch Ihr Gesicht (Profilfotos).
  • Ihr Suchverhalten im Web: wonach Sie recherchieren, wofür Sie sich interessieren, woran Sie gerade arbeiten.
  • Ihren Standort: wo Sie sich gerade befinden, oft auf wenige Meter genau.
  • Andere Personsn: mit wen Sie interagieren

Diese Informationen werden nicht von einer einzelnen Firma gesammelt, sondern von sehr vielen Anbietern gleichzeitig. Manche kennen Sie, manche nicht. Die folgende Übersicht zeigt bekannte Beispiele und macht den wichtigen Unterschied: Betrifft das eher den Laptop, das Smartphone, oder beides?

Bekannte Anbieter – und worüber sie Daten bekommen
Anbieter Betrifft Wie genau?
Google Laptop und Handy Über die Google-Suche, den Chrome-Browser, Gmail, Google Maps und – bei Android-Handys – über das Betriebssystem selbst.
Meta (WhatsApp, Facebook, Instagram) vor allem Handy, auch Laptop Über die Apps am Handy (Kontakte, Standort, Nutzung) sowie über Facebook/Instagram im Browser am Laptop.
Apple Laptop und Handy Über macOS am Laptop und iOS am iPhone – beide Betriebssysteme stammen von Apple.
Microsoft vor allem Laptop Über das Betriebssystem Windows und Programme wie Word oder Outlook.
Amazon Laptop und Handy Über den Onlineshop, die Amazon-App und – falls vorhanden – smarte Lautsprecher.

Ein nüchterner Blick aufs Geschäftsmodell

Ein Konzern wie Meta (WhatsApp, Facebook, Instagram) ist ein gewinnorientiertes Unternehmen. Das bedeutet in den meisten Fällen ganz einfach: Die Daten der Nutzer:innen werden verwendet, um zielgerichtete Werbung zu verkaufen und damit die Kosten für Server, Speicherplatz und Mitarbeiter:innen zu decken. Das ist nichts Verwerfliches, sondern schlicht die Logik hinter einem kostenlosen Produkt – wer sie versteht, kann bewusster entscheiden, wie viel man von diesem Geschäftsmodell mitfinanzieren möchte.

Die eigene Filterblase: Wenn Algorithmen entscheiden, was interessant ist

Suchmaschinen, Facebook und zunehmend auch KI-Systeme zeigen nicht neutral alle Informationen an, sondern bevorzugt das, wovon der Algorithmus annimmt, dass es für genau diese eine Person interessant ist, basierend auf bisherigen Klicks, Suchanfragen und Interessen. Für Privatpersonen mag das bequem sein. Für Journalist:innen kann es hingegen kontraproduktiv sein, unbemerkt in einer solchen Blase zu leben. Wer über längere Zeit nur noch die für sich persönlich zugeschnittenen Inhalte sieht, verliert den Überblick darüber, was andere Menschen – mit anderen Interessen und Meinungen – zu sehen bekommen. Eine objektive, ausgewogene Berichterstattung wird dadurch erschwert, weil ein wesentlicher Teil der öffentlichen Debatte im eigenen Blickfeld schlicht nicht mehr auftaucht.

Modul 1 – Der Ist-Zustand: Computer, Betriebssystem, Programm

1. Was ist eigentlich ein Computer?

Ein Computer besteht im Kern aus drei einfachen Bausteinen:

  • Der Prozessor: das „Gehirn“, das Berechnungen durchführt.
  • Das Betriebssystem: die Software, die im Hintergrund alles steuert und organisiert. Bekannte Beispiele sind Windows (Microsoft), macOS (Apple) oder Linux. Das Betriebssystem ist wie der Hausmeister eines Gebäudes: Es sorgt dafür, dass alle Räume (Programme) funktionieren, aber es „ist“ nicht das Gebäude selbst.
  • Programme: einzelne Anwendungen für bestimmte Aufgaben, zum Beispiel ein Schreibprogramm für Texte, ein E-Mail-Programm oder eben ein Browser zum Surfen im Internet.

Parallele zum Smartphone

Ein Smartphone ist im Grunde nichts anderes als ein sehr kleiner Computer. Es hat ebenfalls einen Prozessor und ein Betriebssystem, meist Android (von Google) oder iOS (von Apple). Was am Computer „Programm“ heißt, nennt man am Handy meist „App“. Es ist dasselbe Prinzip, nur ein anderes Wort.

2. Der Browser ist ein Programm, aber nicht jeder ist gleich

Ein Browser ist das Programm, mit dem Sie Internetseiten aufrufen, etwa Google Chrome, Mozilla Firefox, Microsoft Edge, Safari, Brave oder Opera. Sie sehen zwar unterschiedliche Symbole und Menüs, doch im Hintergrund arbeitet bei den meisten Browsern derselbe „Motor“, die sogenannte Chrome-Engine (auch Chromium genannt). Chrome, Edge, Brave und Opera basieren alle auf dieser Technik von Google. Nur Firefox (eigene Engine, „Gecko“) und Safari (eigene Engine, „WebKit“) gehen einen eigenen Weg.

Warum ist das wichtig? Weil viele scheinbar „verschiedene“ Browser technisch näher beieinander liegen, als das bunte Logo vermuten lässt – und weil ein Browser mit eigener, unabhängiger Engine (wie Firefox) für den Datenschutz eine bewusste Alternative sein kann.

3. Abstecher zum Mobiltelefon

Auch am Handy können Sie mehrere Browser installieren und nutzen, zum Beispiel Chrome, Firefox oder Safari. Viele Dienste möchten aber lieber, dass Sie dafür eine eigene App installieren, statt die Website im Browser zu öffnen (typisches Beispiel: „Für die beste Erfahrung installieren Sie unsere App“).

Der Grund ist selten reiner Komfort: Eine App kann tiefer auf das Handy zugreifen, auf Kontakte, Standort, Mikrofon, Kamera, und bietet Ihnen dabei deutlich weniger Schutzeinrichtungen als ein Browser. Im Browser können Sie zum Beispiel Werbe- und Trackingblocker installieren oder Cookies gezielt einschränken. In einer App haben Sie diese Möglichkeiten meist gar nicht. Sie können nur zustimmen oder die App nicht benutzen.

Modul 2 – Welche Daten sammeln Websites?

Wenn Sie eine Website besuchen, entstehen typischerweise diese Daten:

  • IP-Adresse; verrät ungefähr, aus welcher Region oder Stadt Sie zugreifen.
  • Standort; grob über die IP-Adresse, am Handy meist sehr genau über GPS (wenn Sie zugestimmt haben).
  • Geräte-Informationen; Browsertyp, Betriebssystem, Bildschirmgröße, installierte Schriftarten. Diese Kombination ist oft so einzigartig, dass sie wie ein „Fingerabdruck“ funktioniert, auch ohne Cookies.
  • Nutzungsverhalten; welche Unterseiten Sie besuchen, wie lange, worauf Sie klicken.
  • Sucheingaben; die Begriffe, die Sie selbst eintippen.
  • Konto-Daten; falls Sie eingeloggt sind: Name, E-Mail-Adresse, Kontakte, bisheriges Verhalten.

Auch Google.com ist „nur“ eine Website

Es hilft, sich bewusst zu machen: Google.com ist eine Suchmaschine – aber technisch gesehen ist es auch einfach nur eine Website im World Wide Web, genau wie jede andere. Auch diese Website sammelt bei jeder Suche Daten: Was haben Sie gesucht? Wann? Von wo aus? Wie oft?

Für Journalist:innen ist das besonders sensibel, weil Suchanfragen oft direkt zeigen, woran man gerade recherchiert, manchmal lange bevor ein Artikel erscheint.

Standort: Google Maps

Dasselbe Prinzip gilt für den Standort. Wenn Sie Google Maps verwenden, um eine Adresse zu suchen, eine Route zu planen oder einfach nachzusehen, wo Sie sich gerade befinden, dann geben Sie Ihren Standort direkt an Google weiter. Über die Zeit entsteht so ein sehr genaues Bewegungsprofil: wo Sie wohnen, wo Sie arbeiten, wen oder was Sie regelmäßig aufsuchen.

Drittanbieter-Cookies: Ein Beispiel aus der Politik

Ein Cookie ist eine kleine Datei, die eine Website auf Ihrem Gerät speichert, um Sie wiederzuerkennen. Ein Drittanbieter-Cookie wird jedoch nicht von der Seite gesetzt, die Sie gerade besuchen, sondern von einem eingebundenen Dienst eines anderen Unternehmens, zum Beispiel einem „Like“-Knopf oder einem unsichtbaren Werbe-Pixel von Facebook.

Praxisbeispiel

Sie recherchieren beruflich auf der Website einer politischen Partei. Auf dieser Seite ist (unsichtbar für Sie) ein Facebook-Tracking-Code eingebaut. Kurze Zeit später öffnen Sie Facebook und sehen dort eine Werbeanzeige genau dieser Partei. Facebook wusste durch das Drittanbieter-Cookie, dass Sie sich mit dieser Partei beschäftigt haben und zeigt Ihnen passende Werbung, das nennt man Retargeting.

Besonders deutlich siehr man es, weil „passende Werbung“ nicht für alle gleich aussieht: Facebook kennt neben dem Interesse an der Partei auch Ihr Geschlecht und Ihr ungefähres Alter. Sind Sie ein junger Mann, sehen Sie vielleicht eine Anzeige mit einer Gruppe junger, sportlicher Männer. Sind Sie hingegen Frau und Mutter, zeigt dieselbe Partei Ihnen möglicherweise ein Bild, auf dem ein Politiker gerade ein kleines Baby auf dem Arm schaukelt. Zwei völlig unterschiedliche Werbebotschaften derselben Partei – zugeschnitten auf das Profil, das Facebook von Ihnen hat.

Warum ist das alles gratis?

Im Alltag nutzen die meisten von uns eine ganze Reihe von Programmen und Apps, für die nie Geld verlangt wird: die Google-Suche, Gmail, Google Maps, WhatsApp, Facebook, Instagram oder Telegram sind alle kostenlos. Doch die Server, die Entwicklung und die Mitarbeiter:innen dahinter kosten sehr viel Geld – irgendjemand muss das finanzieren.

Es gibt Initiativen, die bewusst einen anderen Weg gehen und sich über Spenden oder ehrenamtliche Arbeit finanzieren, ohne Nutzungsdaten zu verkaufen – am bekanntesten ist wohl Wikipedia, das über die gemeinnützige Wikimedia-Stiftung getragen wird. Ähnlich funktionieren etwa das Internet Archive, die Signal-Stiftung hinter dem Messenger Signal oder die Mozilla-Stiftung hinter dem Browser Firefox. Diese Angebote sind zwar auch kostenlos – ihr Geschäftsmodell beruht aber nicht darauf, mit Ihren Daten Geld zu verdienen.

WhatsApp und Telegram sowie Google finanzieren sich hingegen vor allem dadurch, dass sie Nutzungsdaten auswerten und für zielgerichtete Werbung verwenden bzw. weitergeben. Ihre Konzerne sitzen außerhalb der EU – Meta (WhatsApp) und Google in den USA, Telegram in Dubai. Auch dort gilt zwar grundsätzlich die europäische Datenschutz-Grundverordnung, sobald Daten von EU-Bürger:innen betroffen sind – in der Praxis lässt sich das aber bei einem Unternehmen ohne Sitz in der EU deutlich schwerer kontrollieren und durchsetzen als bei einem europäischen Anbieter. Am Ende gilt eine einfache Faustregel: Wenn ein Produkt kostenlos ist, sind oft Sie selbst – bzw. Ihre Daten – ein Teil des Geschäftsmodells.

Modul 3 – Ihre Entscheidung: Sichtbar oder unsichtbar?

Jetzt kommt der entscheidende Schritt: Sie müssen für sich selbst festlegen, welche Daten Sie welchen Firmen geben möchten – und das kann sich sogar von Auftrag zu Auftrag unterscheiden.

Es ist völlig legitim, wenn Sie sagen: „Ich gebe alle meine Daten weiter, das stört mich nicht.“ Für viele Journalist:innen, die öffentlich und unter ihrem echten Namen auftreten, kann das sogar praktisch sein.

Beispiel: Christian Wehrschütz

Ein prominenter Kriegsberichterstatter wie Christian Wehrschütz tritt bewusst öffentlich und unter seinem echten Namen auf. In einem solchen Fall kann es sogar von Vorteil sein, wenn das eigene Handy geortet werden kann,  etwa damit die Redaktion oder Angehörige im Ernstfall wissen, wo man sich gerade befindet. Sichtbarkeit ist hier kein Risiko, sondern kann ein Sicherheitsnetz sein.

In anderen Fällen ist genau das Gegenteil richtig. Wer verdeckt recherchiert, etwa zu organisierter Kriminalität, Extremismus oder in einem Krisengebiet, ohne dass Auftraggeber:innen vor Ort wissen, dass jemand für ausländische Medien berichtet, muss unter Umständen dafür sorgen, dass das eigene Handy nicht einer Person zugeordnet werden kann.

Beispiel: Verdeckte Recherche

Denken Sie an Korrespondent:innen, die in einem Krisengebiet wie Afghanistan unter schwierigen Sicherheitsbedingungen arbeiten, oder an investigative Journalist:innen, die zu organisierter Kriminalität recherchieren: Hier kann die Ortung des eigenen Handys ein echtes Sicherheitsrisiko sein, sowohl für die Journalist:innen selbst als auch für ihre Quellen. In solchen Fällen ist bewusste Unauffindbarkeit ein Schutzinstrument, kein Zufall.

Es gibt hier kein „richtig“ oder „falsch“, nur die bewusste Entscheidung, die zur jeweiligen Situation passt. Die folgenden Module zeigen konkrete Werkzeuge für beide Richtungen: mehr Kontrolle über die eigenen Daten, wenn Sie sie wollen.

Modul 4 – Den Laptop sicherer machen

Alle folgenden Schritte lassen sich ohne Vorkenntnisse nachvollziehen.

Eine andere Identität und eine E-Mail-Adresse bei Proton

Für Recherchen, bei denen Sie nicht mit Ihrem echten Namen in Verbindung gebracht werden möchten, kann eine zweite, separate E-Mail-Adresse sinnvoll sein, zum Beispiel bei Proton Mail. Der Anbieter sitzt in der Schweiz, verschlüsselt E-Mails standardmäßig und verlangt bei der Anmeldung keine zusätzlichen persönlichen Daten wie eine Telefonnummer.

Firefox sicher einstellen

Firefox bietet in den Einstellungen unter „Datenschutz & Sicherheit“ die Stufe „Streng“ beim Verstärkten Schutz vor Aktivitätenverfolgung. Damit blockiert der Browser automatisch viele bekannte Tracker, Werbenetzwerke und Drittanbieter-Cookies, ohne dass Sie etwas Weiteres tun müssen.

Sinnvolle Add-ons (Erweiterungen)

  • Facebook Container: sperrt Facebook in eine eigene, isolierte „Box“ im Browser, sodass Facebook Sie nicht mehr auf anderen Websites wiedererkennen kann.
  • uBlock Origin: blockiert zuverlässig Werbung und Tracking-Skripte.

Browserdaten beim Schließen automatisch löschen

In den Firefox-Einstellungen lässt sich festlegen, dass Verlauf, Cookies und Cache automatisch gelöscht werden, sobald Sie den Browser schließen. Das ist unabhängig vom Datenschutz auch ein praktischer Schutz: Sollte der Laptop einmal gestohlen werden oder verloren gehen, findet sich darin keine gespeicherte Chronik Ihrer Recherchen mehr.

Der Tor-Browser

Der Tor-Browser leitet Ihre Internetverbindung über mehrere, zufällig ausgewählte Server rund um die Welt um. Dadurch lässt sich Ihre echte IP-Adresse, und damit Ihr Standort, für die besuchten Websites kaum mehr feststellen. Das ist besonders für sensible Recherchen und den Quellenschutz relevant, macht das Surfen aber spürbar langsamer.

Die Suchmaschine Startpage

Startpage liefert Ihnen die Suchergebnisse von Google, holt diese aber anonymisiert für Sie ab. Google erfährt dabei nicht, wer konkret gesucht hat. So bekommen Sie die gewohnte Qualität der Google-Suche, ohne direkt bei Google angemeldet oder erkennbar zu sein.

Das hat noch einen zweiten, für Journalist:innen wichtigen Effekt: Google weiß bei einer normalen Suche genau, wer gerade davorsitzt und passt die Ergebnisse an diese Person an. Sie sehen also nicht „die“ Ergebnisse, sondern Ihre ganz persönliche, vorsortierte Auswahl, basierend auf Ihrem bisherigen Verhalten. Mit der Zeit kann das dazu führen, dass man in der eigenen Recherche einseitig wird, ohne es zu merken. Man bekommt vor allem das zu sehen, was der Algorithmus bereits von einem erwartet. Eine anonyme Suche über Startpage zeigt Ihnen dagegen unverzerrte, nicht auf Sie zugeschnittene Ergebnisse und hilft so, diesen blinden Fleck in der eigenen Recherche zu vermeiden.

Modul 5 – Das Handy sicherer machen

Sichere Messenger: Signal und Threema

Signal ist ein kostenloser Messenger, dessen Verschlüsselungstechnik als Standard gilt. Sie wird auch von WhatsApp genutzt. Signal wird von einer gemeinnützigen Stiftung betrieben, sammelt praktisch keine Metadaten und ist quelloffen, das heißt, jede:r kann den Programmcode überprüfen.

Threema kommt aus der Schweiz, kostet einmalig eine kleine Gebühr und lässt sich sogar ganz ohne Telefonnummer einrichten. Ein Vorteil, wenn Anonymität besonders wichtig ist.

WhatsApp und der Quellenschutz: Auch Ihre Informant:innen sind betroffen

Ein Punkt wird oft übersehen: Wenn Sie über WhatsApp mit einer Informantin oder einem Informanten kommunizieren, geben Sie nicht nur eigene Daten weiter, sondern auch deren Daten an Meta. Telefonnummer, Profilbild, wann und wie oft Kontakt besteht, ob eine Nachricht gesendet oder gelesen wurde. All das sind Metadaten, die WhatsApp bzw. der Meta-Konzern sieht, unabhängig davon, dass der Inhalt der Nachrichten selbst Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist. Für den Quellenschutz kann allein diese Verbindung – „diese Person hat mit einer bestimmten Journalistin Kontakt“ – schon ein Risiko darstellen, ganz unabhängig davon, was in der Nachricht steht.

Wem geben WhatsApp und Telegram Ihre Daten?

Vergleich: Was passiert mit Ihren Daten?
Messenger verschlüsselt? Was wird sonst weitergegeben / gespeichert?
WhatsApp Ja, Ende-zu-Ende Gehört zum Meta-Konzern (Facebook, Instagram). Metadaten – wer mit wem, wann und wie oft schreibt – fließen in den Konzern und können für Werbeprofile genutzt werden, auch wenn der Inhalt der Nachrichten geschützt bleibt.
Telegram Standardmäßig nein Normale Chats liegen unverschlüsselt in der Cloud von Telegram und sind für den Anbieter grundsätzlich einsehbar. Nur eigens gestartete „geheime Chats“ sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Der Firmensitz und die Datenschutzpraxis sind wenig transparent.
Signal Ja, Ende-zu-Ende Gemeinnützige Stiftung, minimale Speicherung von Metadaten, quelloffener Programmcode.

WhatsApp datenschutzkonform in einem eigenen Container betreiben

Wer aus beruflichen Gründen nicht ganz auf WhatsApp verzichten kann, weil Kolleg:innen, Quellen oder Redaktionen dort erreichbar sind, kann die App trotzdem deutlich absichern: Mit einer sogenannten Container-Lösung wird auf dem Smartphone ein eigener, abgeschotteter Bereich geschaffen. WhatsApp läuft dann isoliert in diesem Container und hat keinen automatischen Zugriff mehr auf das restliche Adressbuch, Fotos oder andere Apps am Gerät. Die unkontrollierte Weitergabe sämtlicher Kontaktdaten an Meta wird damit deutlich eingeschränkt.

Die Einrichtung einer solchen Container-Lösung erfordert allerdings technisches Know-how. Ein österreichisches Unternehmen, das sich unter anderem mit der sicheren, container-basierten Einrichtung von Smartphones befasst, ist Firmenhandy.at mit Sitz in der Ausstellungsstraße 50, 1020 Wien (firmenhandy.at/mobile-device-management). Das Unternehmen richtet sich primär an Firmenkunden, ein solches Mobile-Device-Management mit Container-Trennung lässt sich aber grundsätzlich auch für einzelne Geräte einrichten. Es lohnt sich in jedem Fall, bei einem Anbieter konkret nachzufragen, ob und zu welchen Kosten eine Einrichtung für ein einzelnes, privat genutztes Gerät möglich ist.

App oder Browser – wo haben Sie mehr Kontrolle?

Ein zentraler Unterschied, den viele nicht kennen: Bei einer App können Sie in der Regel keine eigenen Sicherheits- oder Datenschutzeinstellungen vornehmen – Sie sind auf das angewiesen, was der Hersteller anbietet. Bei einem Browser hingegen haben Sie deutlich mehr Möglichkeiten: Sie können Tracking-Schutz aktivieren, Erweiterungen installieren, Cookies löschen oder einen ganz anderen Browser wählen. Wer maximale Kontrolle möchte, ist daher im Browser grundsätzlich im Vorteil.

Weitere sinnvolle Maßnahmen am Handy

  • App-Berechtigungen prüfen: Standort, Mikrofon und Kamera nur dort erlauben, wo es wirklich notwendig ist.
  • Standortdienste einschränken auf „nur bei Nutzung der App“ statt „immer erlauben“.
  • Regelmäßige System-Updates einspielen.
  • Bildschirmsperre mit PIN, Muster oder biometrischer Erkennung aktivieren.
  • Für besonders heikle Recherchen: Überlegen Sie ein zweites, „sauberes“ Gerät, das nicht mit Ihrer Person verknüpft ist.

Abschluss

Digitale Kompetenz bedeutet nicht, jede Technik perfekt zu beherrschen. Sie bedeutet, bewusst zu wissen, welche Spuren man hinterlässt – und die Freiheit zu haben, selbst zu entscheiden, welche davon man hinterlassen möchte.

Kein einziger Schritt aus dieser Unterlage macht Sie unsichtbar, und kein Schritt ist verpflichtend. Aber jede einzelne Maßnahme (ein sicher eingestellter Browser, eine bewusste Wahl beim Messenger, ein zweiter Blick auf App-Berechtigungen) gibt Ihnen ein Stück mehr Kontrolle zurück. Für Journalist:innen ist das mehr als Privatsphäre im privaten Sinn: Es ist die Grundlage für sicheren Quellenschutz, unabhängige Recherche und den Schutz der Menschen, die Ihnen vertrauen.

Nehmen Sie sich die Module, die für Ihre Arbeit relevant sind, Schritt für Schritt vor, es muss nicht alles auf einmal umgesetzt werden. Und denken Sie daran: Es gibt keine „richtige“ Antwort für alle. Es gibt nur die Antwort, die zu Ihrer journalistischen Arbeit passt.